Autismus - ohne wäre die Normalität gestört

 

 

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Hinweis: Da uns vereinzelt von Lesern ein zerschossenes Seitenlayout mitgeteilt wurde: Sollte dieser Text nicht unter dem Menü stehen, sondern daneben, dann teil uns das über das Kontaktformular mit. Wir können nicht jedes System selbst testen.

Merkzeichen

Im Feststellungsverfahren kann nicht nur über den GdB entschieden werden, sondern auch über sogenannte Merkzeichen. Das sind Feststellungen des Anspruchs auf besondere Nachteilsausgleiche. Die für Autisten interessanten Merkzeichen werden hier hier in den Unterkapiteln folgend abgehandelt (im Menü anklicken).

GdB

Je höher der GdB-Wert, desto mehr steigt auch der individuelle Steuerfreibetrag (Pauschbetrag) wegen außergewöhnlichen Belastungen für
Behinderte an:

Quellen: http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33b.html , http://www.zbfs.bayern.de/schwbg/wegweiser/weguebersichten.html
Desweiteren gibt es diverse Nachteilsausgleiche, die sich auch nach der Höhe des GdB richten:

Bei GdB 50:

  1. Zusatzurlaub gemäß SGB9 §125 von einer Woche.
  2. „Schwerbehinderte Menschen werden auf ihr Verlangen von Mehrarbeit freigestellt.“ (SGB9 §124)
  3. „Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses eines schwerbehinderten
    Menschen durch den Arbeitgeber bedarf der vorherigen Zustimmung des
    Integrationsamtes.“ (SGB9 §85)
  4. Vorzeitige Inanspruchnahme der Altersrente (einige Jahre früher)
    nach SGB §37 und §236a nach Wartezeit gemäß §51 von 35 Jahren. Für
    Beamte auf Lebenszeit gilt laut BGG §42,4,1 ebenfalls die Möglichkeit
    auf Antrag früher in den Ruhestand versetzt zu werden.
  5. Befreiung von der Wehrpflicht gemäß WPflG §11,1,4.
  6. Besondere Fürsorge im öffentl. Dienst; Fürsorgeerlass FMBek. v.
    8.8.90. Ermäßigung der Arbeitszeit von Lehrern um zwei Wochenstunden.
    (Quelle siehe unten)
  7. Ermäßigungen bei Kurtaxen oder Automobilclubs (bei denen nachfragen).

Bei GdB 70:

  1. Ermäßigung der Arbeitszeit von Lehrern um drei Wochenstunden. (Quelle siehe unten)

Bei GdB 90:

  1. Ermäßigung der Arbeitszeit von Lehrern um vier Wochenstunden. (Quelle siehe unten)

Bei GdB 100:

  1. Freibetrag bei der Einkommensberechung für Wohngeld von 1500€ auf den reinen GdB gemäß WoGG §13,1,1.
  2. Freibetrag bei der Einkommensberechung für die soziale Wohnungsbauförderung von 4500€ auf den reinen GdB gemäß WoFG §24,1,1.

Ergänzende Quelle: http://www.hauert.eu/schwerbehindertenausweis.htm

Sozialgerichtsbarkeit

Daher ist es auf jeden Fall ratsam vor Antragstellung eine gute Rechtsschutzversicherung abzuschließen die auch Prozesskosten neben denen des Gerichts selbst abdeckt und auch bis zur Antragstellung eventuelle Wartezeiten ablaufen zu lassen, die für mögliche Prozesse gegen das Amt gelten würden. Das gilt natürlich nur, wenn man es nicht eilig hat. Für die Gerichtskosten vor der Sozialgerichtsbarkeit gilt dies:

Zitat:

“SGG § 183Das Verfahren vor den Gerichten der Sozialgerichtsbarkeit ist für Versicherte, Leistungsempfänger einschließlich Hinterbliebenenleistungsempfänger, Behinderte oder deren Sonderrechtsnachfolger nach § 56 des Ersten Buches Sozialgesetzbuch kostenfrei, soweit sie in dieser jeweiligen Eigenschaft als Kläger oder Beklagte beteiligt sind. Nimmt ein sonstiger Rechtsnachfolger das Verfahren auf, bleibt das Verfahren in dem Rechtszug kostenfrei. Den in Satz 1 und 2 genannten Personen steht gleich, wer im Falle des Obsiegens zu diesen Personen gehören würde. § 93 Satz 3 [Mögliche Kopierkosten als Ersatz für eine nicht ausreichende Zahl von Abschriften der eingereichten Prozessunterlagen (Klageschrift, etc.).], § 109 Abs. 1 Satz 2 [Vorstreckung und Übernahme von Gutachterkosten im Falle des Unterliegens], § 120 Abs. 2 Satz 1 [Kosten für selbstangeforderte Kopien] und § 192 [Möglichkeit Gerichtskosten auferlegt zu bekommen, weil ein Gerichtstermin durch ein eigenes Verschulden verschoben oder vertagt werden muß oder weil jemand trotz des Hinweises des Vorsitzenden, daß die Rechtverfolgung mißbräuchlich geschehe und deswegen ihm die Kosten auferlegt werden können den Rechtsstreit weiterführt.] bleiben unberührt.”

Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__183.html

Es entstehen also bei einem Sozialgerichtsverfahren nicht unbedingt hohe Kosten, auch wenn man verliert. Weitere Informationen gibt es z.B. hier (vom Bayrischen Landessozialgericht): http://www.lsg.bayern.de/allgemeines/verfahren.html

Übrigens wird bei Sozialgerichtsverfahren, bei denen es um Behinderungen geht einer von zwei ehrenamtlichen Richtern selbst aus dem „Kreis der Behinderten“ (meistens nicht wirklich selbst Behinderte, sondern oft Verbandsfunktionäre) stammen: http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__14.html

Allgemeine Ratschläge

Ein solches Feststellungsverfahren kann man einleiten, indem man dem zuständigen Amt mitteilt, daß und weswegen man vermutet behindert zu sein. Dazu braucht man keine Diagnose, es ist aber, wenn man nicht diagnostiziert ist, unbedingt anzuraten zuerst zu einem Arzt zu gehen, der sich mit Autismus auskennt. Vorher sollte man sich allerdings überlegen, welche Versicherungen einen nach einer Erstdiagnose eventuell nicht mehr oder nur mit Ausschlußklauseln oder hohen Aufschlägen aufnehmen würden. Beispiele für solche Versicherungen können private Krankenversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen sein. Erfolgt durch ihn eine Diagnose, sollte man mit ihm das Vorhaben eines Antrags auf ein Feststellungsverfahren durchsprechen, besonders auch in Hinblick darauf welche Merkzeichen er befürworten würde. Tut man das alles nicht, weist das Amt einen Gutachter zu, der sich in der Praxis meistens nicht mit Autismus auskennt und sich außerdem nur wenig Zeit nimmt – für Autisten sind das wohl ganz schlechte Voraussetzungen.

Achtet darauf von einem Arzt (z.B. Psychiater) diagnostiziert zu werden, Diagnosen von einen Psychologen, wie es sie z.B. oft in ATZ gibt, werden oft von Ämtern nicht anerkannt.

Auch wenn man sehr einfach ein solches Verfahren einleiten kann, erspart man sich Probleme und Nachfragen, indem man sich zur Begründung des Antrags Zeit lässt und sich Rat für eine sorgfältige Formulierung holt, die sich an Begriffe des Amtes und einschlägige Urteile anlehnt. Das Amt prüft nämlich schablonenartig, Mitdenken des Sachbearbeiters sollte man nicht erhoffen und gerade bei Autismus dürfte es dazu diesen auch in der Regel weitgehend an Kenntnissen mangeln. Die Zuteilung eines Merkzeichens “BL” (blind) an ein autistisches Kind, wie uns in einem Fall bekannt ist, ist eher eine Kuriosität in dieser Hinsicht. Meistens wird die fehlende Sachkenntnis sich darin niederschlagen, daß auf ganzer Linie zu gering eingestuft wird und Merkzeichen abgelehnt werden, für die die Voraussetzungen eigentlich klar erfüllt sind.

Viele Versorgungsämter pflegen einen Stil, der in seiner Ruppigkeit und Kaltschnäutzigkeit an die Arbeitslosenverwaltung erinnert. Das liegt vermutlich nicht unbedingt am jeweiligen Sachbearbeiter, sondern am System.

Zudem sei hiermit dringend darauf hingewiesen, daß beim Versorgungsamt vermutlich zumindest in naher Zukunft flächendeckend elektronische Akten angelegt werden. Jeder mag selbst genau abwägen, ob unter diesen Umständen eine Antragstellung für ihn vertretbar erscheint oder nicht. Dies kann bei derartig sensiblen Sachverhalten nur als unverantwortlich betrachtet werden! Der Staat besitzt auf absehbare Zeit leider nicht die Fähigkeit solche Daten wirklich sicher zu schützen, wie jeder weiß der die allgemeinen Medien auch nur halbwegs aufmerksam verfolgt und dort erfährt man nur von einem kleinen Teil des wahren Ausmaßes. Es besteht somit aktuell eine realistische Gefahr nach einer Antragstellung irgendwann die eigene Vorsorgungsamtsakte frei zugänglich im Internet vorzufinden. Entweder sind die zuständigen Stellen unheimlich naiv und somit nicht für den Umgang mit solchen Daten geeignet oder es besteht die Absicht die Zahl der Leistungsempfänger auf diesem Weg durch Abschreckung zu minimieren nach dem Motto „Nur wer es wirklich nötig hat, der verzichtet freiwillig auf seine Menschenwürde.“.

Hierzu siehe auch diese Umfrage aus dem Jahr 2012.

Die Enthinderungsselbsthilfe (ESH)

Die Enthinderungsselbsthilfe versteht sich als gesamtgesellschaftliche Interessenvertretung aller Autisten. Sie bietet als zuverlässiger Ansprechpartner für Autisten, Angehörige (z.B. Eltern oder auch Freunde), gesellschaftliche Gruppen oder sonstwie Interessierte Beratung, Hilfe und Unterstützung zu praktischen Themen und zum Thema Autismus und dessen Verstehen an sich, sowie einen Ratgeber zur Selbsthilfe an.

Inhaltliche Positionen der Enthinderungsselbsthilfe finden sich z.B. hier. Insbesondere wird die Einstufung von Autismus als „krank“ entschieden als diskriminierend abgelehnt. Enthinderung verstehen wir als Recht und nicht als „Hilfe“, für die man dankbar sein muß.

Onlineformulare:
1. Zentrales Kontaktformular der ESH
2. Kostenlos ESH-Unterstützungsmitglied werden

Aktivitäten

Die nachfolgenden Seite sollen einen Überblick über die ESH selbst und Informationen über diverse Ansprüche von Autisten vermitteln. Wer ergänzende Anregungen hat, ist herzlich eingeladen diese einzubringen. Wir lernen gegebenenfalls gerne dazu. Besonders interessieren uns
Anregungen, Ideen zu Enthinderung, Erfahrungen und besonders Schriftwechsel aller Art zum Thema, da es für das Angebot wichtig ist, einen möglichst umfassenden Überblick über reales Geschehen und Einzelerfahrungen in jeder Hinsicht zu erhalten. Ohne solchen Überblick ist es schwer eine optimale Interessenvertretung zu betreiben.

Arbeitsteilungs-Faustregel für den direkten Kontakt außerhalb des über das Menü erreichbaren Online-Kontaktformulars:

Bei allen Fragen, in denen es um die Erlangung eines offiziellen Status oder amtliche Bewilligungsverfahren von praktischen Nachteilsausgleichen geht, z.B. Fragen zum Feststellungsverfahren nach SGB9, zu finanziellen Vergünstigungen, zu Schulproblemen oder zum Betreuungsrecht wird die ESH üblicherweise selbst aktiv (Kontakt siehe unten auf dieser Seite).

Für Fälle, in denen es um mangelnde Barrierefreiheit oder Diskriminierungen in nicht durch öffentliches Recht geregelten Lebensbereichen geht (insbesondere Berufsleben und Privatwirtschaft), in denen Autisten also wegen autistischer Eigenschaften in irgendeiner Weise im alltäglichen Dasein benachteiligt werden, z.B. durch schlechten schriftlichen Zugang zwecks Beratung bei einem privaten Dienstleister, ist der Ombudsrat zuständig.

Keiner muß Angst davor haben, sich an die falsche Stelle zu wenden. Falls das passieren sollte, wird die Anfrage automatisch dem richtigen
Ansprechpartner zugeleitet. Zu allen Enthinderungsthemen kann gerne formlos nachgefragt werden. Unsere bisherigen Erfolge in Einzelfällen können sich sehen lassen. Wissenswert: Das größte Risiko für den Erfolg eines Anliegens sind aus unserer bisherigen Erfahrung mangelnde Antworten auf unsere Nachfragen zu Aspekten der jeweiligen Sache und der Gesamtsituation, beziehungsweise ungenügende Informationen über eine Gesamtsituation.

Engagierte und verlässliche Mitstreiter sind jederzeit gerne willkommen und bekommen ebenso verlässliche Rahmenbedingungen und nach Möglichkeit eine Mitarbeit gemäß der persönlichen Interessen geboten. Direktheit, Offenheit und lösungsorientierte Kritik werden grundsätzlich als positiv betrachtet.

Rechtlicher Hinweis: Weder die folgende Übersicht noch der individuelle Kontakt kann für die Richtigkeit von Angaben garantieren. Ebenso wird grundsätzlich jede Haftung aufgrund der stattfindenden Kommunikation abgelehnt. Selbsthilfe bedeutet nichts weiter als Erfahrungsaustausch von Laien und kann sinnvolle Ergänzung anwaltlicher Beratung sein. Im Zweifel wird dazu geraten sich zusätzlich an einen zugelassenen Anwalt zu wenden.

Kontakt: autisten (öt) enthinderung.de, obenstehendes Kontaktformular oder über unser Unterforum.

Der Ombudsrat

Der Ombudsrat der ESH bemüht sich die in der gesellschaftlichen Praxis oft vernachlässigten Interessen von Autisten im Sinne einer diskriminierungsfreien Teilhabe an allen nicht durch öffentliches Recht geregelten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens im deutschsprachigen Raum zu vertreten. Der Tätigkeitsschwerpunkt besteht also vor allem im Bereich der Privatwirtschaft, z.B. dem Berufsleben und mangelnder Barrierefreiheit für autistische Kunden bei Privatunternehmen. Kein Anliegen ist zu unwichtig.

Aktivitäten

Der Ombudsrat versteht sich als unabhängiger Schlichter in solchen Situationen mangelnder Barrierefreiheit für Autisten. Die Inanspruchnahme ist kostenfrei. Abweichend zu den meisten anderen Ombudsstellen begleitet der Ombudsrat gegebenenfalls in Absprache mit dem Klienten auch die gerichtliche Durchsetzung von Bedingungen der Enthinderung.

Arbeitsteilungs-Faustregel für den direkten Kontakt außerhalb des über das Menü erreichbaren Online-Kontaktformulars: Für Fälle, in denen es um mangelnde Barrierefreiheit im Einzelfall geht, in denen Autisten also wegen autistischer Eigenschaften in irgendeiner Weise im alltäglichen Dasein benachteiligt werden, z.B. durch schlechten schriftlichen Zugang zwecks Beratung bei einem privaten Dienstleister, ist der Ombudsrat zuständig.

Bei allen Fragen, in denen es um die Erlangung eines offiziellen Status oder amtliche Bewilligungsverfahren von praktischen Nachteilsausgleichen geht, z.B. bei Fragen zum Feststellungsverfahren nach SGB9, zu finanziellen Vergünstigungen, zu schulischen Problemlagen oder zum Betreuungsrecht ist die ESH selbst zuständig.

Keiner muß Angst davor haben, sich an die falsche Stelle zu wenden. Falls das passieren sollte, wird die Anfrage automatisch dem richtigen Ansprechpartner zugeleitet.

Alle übermittelten Falldaten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Onlineformular: Kostenlos Unterstützungsmitglied der ESH werden

Email-Kontakt: ombudsrat (öt) enthinderung.de

Rechtlicher Hinweis: Trotzdem wir stets nach bestem Wissen und Gewissen agieren ist jegliche Haftung des Ombudsrats oder seiner Mitglieder ausgeschlossen.

Autisten – Sonst nichts

Blabla, mögen nicht wenige Leser denken. Zu offensichtlich scheint der Eindruck von vielfältigen Unfähigkeiten bei Autisten. Zu wenig bekannt die Tatsache, daß Autisten untereinander durchaus Emphatie empfinden und in einem System feinsinnig miteinander zu kommunizieren in der Lage sind, das NA ihrerseits zumindest teilweise nicht erfassen. Das was die Mehrheit nicht sieht, nicht fühlt, kann sie nicht berücksichtigen. Die unfreiwillige Minderheit ohne eigene starke Kultur hingegen bemüht sich um Anpassung selbst gegen ihre Veranlagung und somit gegen ihre Gesundheit, weswegen sie unter solchen höchst widrigem Umständen irrtümlich wenig lebensfähig erscheint. Sie ist verloren in einer andersartigen Umgebung, oft gar andersartigen Eltern oder Freunden ausgesetzt, deren teilweise Zuneigung mit laufenden Diskriminierungen und Herabsetzungen verbunden ist, die nicht bereit oder fähig sind auch nur ansatzweise dem erforderlichen Maß nahekommendes Verstehenwollen aufzubringen. Übrig bleiben gegenseitige Befremdungen, die die Minderheit zermürben und der Eindruck der Mehrheit, daß die Minderheit ohne Unterstützung nicht lebensfähig wäre. Dabei wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, was die Mehrheit sich an Normen geschaffen hat und vergessen, daß die Minderheit als Gestalter einer Mehrheitskultur selbstverständlich ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigt hätte, weswegen Barrieren und Schranken des Alltags wiederum tatsächlich vor allem auf die Minderheitenrolle zurückzuführen sind, nicht auf deren Eigenschaften, die Stärken und Schwächen relativ zur Mehrheit umfasst.

Autisten – Schwan oder Golem

Weithin scheint noch das Bild von Autisten als Golem vorzuherrschen, als unfertigem, unvollkommenen Nichtautisten, der nur durch aufwändige Therapien und viel Mühe wenigstens halbwegs wie ein richtiger Mensch werden kann, wobei Menschlichkeit dem groben durchschnittlichen Charakterbild des Nichtautisten zugeordnet wird. Am nichtautistischen Wesen soll quasi die Welt genesen – nichts Neues unter der Sonne also.

Vielleicht wäre Andersens hässliches Entlein auch therapiert und operiert worden, um wenigstens halbwegs ein richtiges Entlein zu werden. Wenn die anderen Enten nicht einfach nur befremdet und auf der Suche nach ihrer Gruppenidentität gewesen wären, sondern auch mit einem scheinbar humanen Ansatz dem hässlichen Entlein hätten helfen wollen glücklicher zu werden, wie es heute unter den Menschen oft mit unfreiwilligen Minderheiten geschieht.

Glück hat das hässliche Entlein gehabt, daß zu seiner Zeit die Entenheit nicht dahin gelangt war, wo die Menschheit heute noch weitgehend ist. Denn nur ein relativ unbehelligter und nicht durch Dressur gehirngewaschener Schwan ist in der Lage irgendwann zu entdecken, wohin er gehört, wo er richtig ist.

Autisten und das Stockholm-Syndrom

Menschen wollen menschlich behandelt werden. Wenn das nicht der Fall ist, neigen sie dazu es sich einzubilden. Eine besondere Beziehung besteht dabei logischerweise stets zu Personen, die in das eigene Leben hineinwirken. Das gilt unter Umständen auch für solche, die eigentlich etwas mit uns machen, das uns nicht zusagt. Seien es Geiselnehmer, hoffnungslos rückschrittliche Therapeuten oder Eltern.

Außenstehenden, denen lediglich deren Übergriffe berichtet werden, bleibt verborgen, daß auch der größte Verbrecher menschliche Seiten besitzt, die vielleicht sogar hier und da symphatisch sind. Das Verbrechensopfer ist dem Täter in einer bestimmten Klasse von Fällen menschlich nah, sucht Sicherheit und menschliche Bezugspersonen.

Diskriminierung unfreiwilliger Minderheiten im Alltag ist aufgrund ihrer häufig lebenslangen Dauer ein schweres Verbrechen. Wer kann es aus sich heraus schaffen, ein bedeutenderes Maß von Grausamkeiten an sich selbst zu ertragen ohne das Grauen zu verdrängen, zu verharmlosen? Dazu braucht es stabile menschliche Bezugspunkte, die viele Autisten nicht haben.

Autisten sind als bis heute stark diskriminierte Minderheit häufig am Stockholm-Syndrom erkrankt, was diese einzelnen Autisten daran hindert ihre Interessen sinnvoll zu vertreten oder auch nur halbwegs zu erkennen, welchem breiten Unrecht sie ausgesetzt sind. Symptom ist eine auffällige Häufung von Standpunkten unter Autisten, wonach doch eigentlich alles ganz gut wäre wie es ist. Sicher, alles kann noch schlimmer sein. Wer mit glühenden Eisen gefoltert wird, der hat es noch relativ gut, schließlich könnte es schlimmer sein. Der Sklave hat Angst vor der Abschaffung der Sklaverei, der Unsicherheit des Verlassens der gewohnten Rolle. Diese Sklaven gab es damals tatsächlich, sie sind keine Erfindung. Auch sie waren erkrankt am später so benannten und beschriebenen Stockholm-Syndrom einer tendentiell eher weiten Definition, die auch sehr langfristig erworbene Verbrechenstraumata einschließt.

Dieses treibt auch über aktives Eintreten gegen Rechte und Barrierefreiheit für die eigene Minderheit hinaus hochgradig absurde Blüten, etwa wenn Autisten selbst sogar Morde an anderen Autisten durch deren eigene Eltern in ihrer Verwerflichkeit relativieren, indem Verständnis für sie geäußert wird. Es sei ja schon schwer mit „uns Autisten“. Diese Symptomatik trifft man auch bei anderen Personen an, die gemeinhin als menschlicher Abfall betrachtet werden und nur euphemistisch anders bezeichnet werden: „Das enteignete Bewußtsein plappert die Argumente der Heimleitung nach …“ Der Sklave rügt seinen Mitsklaven, welcher ungehorsam gegenüber dem Besitzer war und teilt ihm mit, daß seine Bestrafung durch 40 Peitschenhiebe völlig gerechtfertigt gewesen sei. Verkehrte Welt. Kranke Seelen.

Damit muß Schluß sein.

Am Stockholm-Syndrom erkrankte Autisten können für die Dauer ihrer Unpässlichkeit keine verantwortliche Betätigung in der Interessenvertretung von Autisten ausüben. Dafür bitten wir um Verständnis. Helfende Tätigkeiten an diese zu vergeben, ist jedoch möglich. Bei der Suche nach geeigneten Psychologen ist die ESH diesen Autisten aber jederzeit gerne behilflich.

Autisten – Integration

Integration hat zwei Seiten:

1. Ein Farbiger bekommt wegen seiner Hautfarbe keinen Job. Deswegen bekommt er eine „Integrationsmaßnahme“ verordnet. Dort lehren ihn Personen, die zum großen Teil von der Minderwertigkeit seiner „Rasse“ überzeugt sind, sich weiß zu schminken, um weniger aufzufallen. Als er das tut, bekommt er eine Anstellung als Kloputzer. Sein Fall wird als Beispiel gelungener Integration späteren Teilnehmern ähnlicher Kurse genannt.

2. Ein Farbiger bekommt wegen seiner Hautfarbe keinen Job. Deswegen bekommt er einen „Integrationsassistenten“ zugewiesen, der ihm dabei hilft, sich gegen illegale Diskriminierungen zur Wehr zu setzen. Der Assistent macht in verschiedenen Firmen solche Diskriminierungen aus und leitet dazu Dokumentationen an eine zuständige Antidiskriminierungsstelle weiter, die verschiedene Strafen verhängen kann. So findet er schließlich eine Anstellung als Produktdesigner.

Version 1 klingt für die meisten Ohren vermutlich absurd. Wenn derartiges passieren würde, wäre der Aufschrei vermutlich groß.

Für Autisten jedoch ist Version 1 bis heute der Normalfall.

Doch im Grundgesetz steht:

Zitat:

Art. 3

[…]

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Autisten – Eine Minderheit

Sich gegenseitig wenig verstehende Sprachgruppen innerhalb einer Gesellschaft neigen unter bestimmten Umständen dazu, einander mißtrauisch zu belauern. Sprachgruppen? Ja, Autisten gewichten aufgrund ihrer charakterlichen Veranlagung Sprache anders, messen dem verbalen Sprachanteil größere Bedeutung zu, als es Nichtautisten (NA) gemeinhin tun.

Letztere verständigen sich gerne zu großen Teilen über andeutende Signale des Körpers, der Stimmlage, etc. Überwiegend verbale Kommunikation (wie z.B. rein schriftliche über das Internet) erscheint ihnen daher karg und unattraktiv. Autisten tendieren oft dazu, eine weit lässigere Beziehung zu ihrem Körper zu haben, ihn mehr als Werkzeug zu betrachten, denn als Teil ihrer eigenen Person oder gar schlichthin als sich selbst.

Essentiell für die Entstehung von Mißverständnissen ist Ahnungslosigkeit über vorhandene Unterschiede. In manchen Regionen der Erde gilt Kopfschütteln als Bejahung und Kopfnicken als Ablehnung. Wenn ein Angehöriger der Bevölkerungsminderheit der Autisten sich nun gemäß seiner Veranlagung überwiegend verbal ausdrückt, seinen Körper jedoch dabei nicht anspannt und bewegt, wie es NA gerne tun, ergibt sich daraus wahrscheinlich der Eindruck bei einem NA, daß diese Signale die Gefühlslage des Gegenübers transportieren.

Daher wirkt der Autist im System der nichtautistischen Sprache teilnahmslos, desinteressiert, schwach, depressiv, tot, etc. Kaum ein NA wird auf den Gedanken kommen, daß der Autist schlichtweg rar mit seinem Körper kommuniziert, da NA wissen, daß diese Körpersprache bei ihnen selbst zu gewichtigen Teile unbewußt zum Ausdruck kommt. Daher auch die vielen Bücher und Kurse über Körpersprache. Die kaufen ja nicht nur Autisten, sondern vor allem NA, die lernen möchten auch per Körpersprache lügen zu können.

Somit wäre es für einen NA aufgrund seines Selbsterlebens völlig abwegig von einer grundlegend anderen Kommunikationsveranlagung auszugehen, die nicht erlernt ist, sondern Teil des Charakters einer Person. Hier versagt dem NA seine Emphatie, die nur dann funktioniert, wenn Ähnlichkeiten zwischen eigenem Welterleben und demjenigen von Mitmenschen ausgemacht werden. Autisten jedoch befinden sich meist rein aufgrund ihrer Minderheitenrolle in der Lage ihre natürliche Emphatie nur eingeschränkt anwenden zu können. Wären die Mehrheitsverhältnisse anders – wer will nicht behaupten, daß NA statt Autisten sich ihrerseits als Aliens erleben würden.

Da viele Menschen gesunderweise dazu neigen sich mitsamt ihren Charaktereigenschaften positiv zu werten, tendieren nun auf Grundlage solcher Mißverständnisse nicht wenige NA dazu, nach Kenntnisname der für sie im Grunde undenkbaren Andersartigkeit ebendiese defizitorientiert anhand ihrer Abweichungen zu bedauern:

„Aber mir schmeckt Sauerkraut mit Bratensoße so gut! Daß du daran keine Freude hast, tut mir sooooo leid. Du mußt krank sein! Du weiß gar nicht, was dir entgeht! Laß dir doch helfen!“

Die Arroganz der Mehrheit ist bekannt für ihre Neigung, Minderheiten auszugrenzen. Was für selbstgewählte Minderheiten ein Teil gegenseitigen Konformitätsdrucks z.B. in Generationskonflikten sein kann, ist für Angehörige von unfreiwilligen Minderheiten rasch eine grundlegend traumatisiernde Erfahrung. Der Konformitätsdruck richtet sich nicht gegen freie Überzeugungen, sondern gegen die eigene unumstößlich so seiende Natur, den Menschen an sich.

Die Mehrheit braucht Minderheiten anscheinend existentiell, um sich selbst zu definieren und mißbraucht sie zu diesem Zweck in menschenverachtender Weise. Als Alternative zur sinnstiftenden Wirkung von inneren und äußeren „Anderen“ kommen auch Ideale kaum in Betracht, da eben solche Ideale Anderartigkeit erst kenntlich machen.

Solcherlei Ausgrenzung verursacht in der Folge gravierende Schäden wie Kriegskosten auf zwischenstaatlicher Ebene oder menschenunwürdige Lebensbedingungen und Chancenungleichheit von Angehörigen ausgegrenzter Minderheiten auf ziviler Ebene.

Da andererseits Ausgrenzung dieser Art nicht zu den christlichen Wurzeln unserer modernen Ethik passt, werden mittlerweile andererseits große Summen aufgewandt, um die Folgen der Ausgrenzungen zu beseitigen. Da jedoch viele Angehörige der Mehrheit, wie auch der sich untereinander nicht vertrauten Einzelminderheiten die Diskriminierungen als völlig selbstverständlich schlichtweg nicht mehr wahrnehmen, passiert nun etwas Verblüffendes:

Die in vielen Fällen noch durch völlig ineffiziente Strukturen und Korruption gesteigerten Kosten zur wenigstens teilweisen Beseitigung von Ausgrenzung werden als in der Ursache von den Minderheiten selbst zu verantworten gesehen. Die Kosten der Polizei werden den Verbrechensopfern zugerechnet. „Warum läßt du dich auch verprügeln und machst deswegen ein teures Verfahren notwendig.“ Diese Logik funktioniert nur, wenn die arrogante Mehrheit sich selbst nicht von einem Unrecht betroffen weiß und somit ihre Emphatie in Bezug auf Minderheiten ohne Bezug zu ihrem Ego kaltstellen kann.

Autismus – Das Klischee

Zitat:

Ein deutsches Sprichwort sagt: „Unter den Blinden ist der Einäugige König!“ Aber dieses Sprichwort stimmt nicht: „Unter den Blinden kommt der Einäugige ins Irrenhaus!“

Heinz von Foerster

Naja, ein einheitliches Klischee gibt es natürlich nicht, da Klischees üblicherweise keinen klar zentralen Ursprung besitzen. Dennoch gibt es wohl eine Hauptströmung:

Autisten denken nur an sich und das auf eine gemeinschaftsschädliche Weise. Sie beuten Mitmenschen aus, gehen rücksichtslos vor. Autisten sind unser aller Feinde, diejenigen die von nachhaltigem wirtschaften noch nie gehört haben. Das jedenfalls muß z.B. das Autismus-Bild der Organisation Post-autistische Ökonomie sein, die sich auch nach Hinweisen auf ihren diskriminierenden Namen nicht bereit zeigt diesen zu ändern:

Zitat:

„Die post-autistische Ökonomie ist eine im Jahr 2000 in Frankreich entstandene Bewegung von Ökonomie-Studenten, die mit der ökonomischen Lehrmeinung unzufrieden sind, da diese zu selbstbezogen, praxisfern und wirklichkeitsfremd sei.“

Autismus: Selbstbezogen, praxisfern, wirklichkeitsfremd.

In der politischen Praxis taucht Autismus als Schimpfwort auf, mit dem man sich gerne auch mal gegenseitig bezichtigt realitätsfern zu sein. Da wo jemand, der nicht aufbrausend auftritt schlecht als „emotional“ abgekanzelt werden kann, muß dann halt das Autismusklischee herhalten.

Aber sind Autisten nicht tatsächlich so? Wen es interessiert, der darf gerne auf den anderen Seiten weiterlesen.

Hier wird nun zunächst ein bisher gut gehütetes Geheimnis gelüftet: Autisten sind Menschen wie alle anderen auch.

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